Tagebuch von Randek einem menschlichen Krieger

Wer bin ich? Ich weiß es nicht. Der Wirt sagt, ich sei schon früher hier gewesen. Man habe mich mit dem Namen Randek Abendrot gerufen, und ich hätte darauf reagiert. Bis ich Genaueres weiss, werde ich diesen Namen tragen.

Ich habe ein Schwert und einen Dolch. Der Schmied sagt, das Schwert sei meisterliche Arbeit. Woher habe ich es?

Mein Körper trägt Narben. Frisch verheilt. Wann wurde ich verwundet? Durch wen?

Ich trage einen Kettenpanzer und ein Stahlschild. Bin ich Kämpfer? Als ich ein Training von zwei Kämpfern in der Söldnergilde beobachtete, kam mir manches bekannt vor. Als ich testhalber mit ihnen kämpfte, reagierte mein Körper auf die Angriffe fast automatisch. Sie sagten mir, ich beherrsche den Doppelschlag und Heftigen Angriff und würde mit dem Schwert sehr viel besser
kämpfen als mit dem Dolch. Woher aber habe ich meine Kenntnisse? Wie und wann habe ich sie erworben?

So viele Fragen – und keine Antworten! Habe ich schon früher Aufzeichungen geführt? Wurde ich bei einem Kampf am Kopf verletzt und verlor dadurch mein Gedächtnis? Wie kann ich es wiederfinden? Ich habe hier in der Gilde die vorhandenen Tagebücher durchgesehen. Nichts davon kam mir vertraut vor.

Habe ich Freunde? Feinde? Familie?

Ich will mein Gedächtnis zurück. Doch ich weiss nicht, wo anfangen. Der Heiler empfiehlt, dass ich mich einer Gruppe anschließe, um so vielleicht meine Fähigkeiten und mein Wissen wiederzuentdecken. Solange ich keine bessere Idee habe, werde ich das tun.

Ich werde mich der nächsten Gruppe, die einen Auftrag bekommt, anschließen.
Vielleicht lerne ich dabei mehr über mich als hier. Und ich werde ein Tagebuch führen, das ich stets bei mir trage und ergänze. Mit der Zeit kommt das Wissen, da bin ich sicher.

Ein paar Tage später

Ein bißchen mehr weiss ich jetzt über mich selbst.

Die Gelegenheit, mich einer Gruppe anzuschließen, kam recht schnell. Eine Mondelfin, Felofina aus Torin, bat um Hilfe. Eine Seuche in ihrer Silbermine, ihr Mann verschwunden, wir machten uns natürlich schnell auf den Weg.

Tyr stehe mir bei, ich vergesse schon wieder Dinge! Nächstes Mal muß ich schneller sein beim Aufschreiben! Da war Merla, eine Schurkin. Brianna, eine Kampfmagierin. Storm, der Zwergenpriester. Wie hieß die Elfin, die ebenfalls magisch begabt war?

Was habe ich erfahren über mich selbst? Scheinbar habe ich mit Merla und Brianna (und anderen?) zusammen geholfen, den Kneipen-Keller von Schreckensratten zu befreien. Wieso weiß ich nichts mehr davon? Aber es würde einen Teil meiner Narben erklären.

Warum hat mir der Wirt, als er mir meinen Namen verriet, nichts über meine Hilfe gesagt? Hatte er Angst, ich würde dann um kostenlosen Met, Fleisch und Käse verhandeln? Ich bin doch kein Halbling! Ach, wenigstens soviel weiss ich noch!

Aber, den Andeutungen nach, habe ich zarte Bande zur Tochter des Wirts geknüpft. Oder war da mehr? Ist es ein Schaden oder ein Segen, dass ich mich daran nicht erinnern kann? Die Fragen werden immer mehr. Wo sind die Antworten?

Ein paar Erfahrungen habe ich bei diesem Abenteuer auf jeden Fall gemacht. Ein Troll, gross, grün und widerlich stinkend war der erste Gegner. Wo der hinhaut, wächst kein Baum mehr! Der Wagen nur noch Kleinholz, das Pferd sofort tot. Hat ein Schlag von so einem Monster mein Gedächtnis gelöscht? Müßte ich dann aber nicht irgendeine… Abneigung… Furcht… Panik… spüren? Über das normale Entsetzen beim Anblick dieses Monsters hinausgehend???

Ich habe meinen Augen fast nicht getraut: Normale Treffer heilten sofort. Ein abgehacktes Bein nahm er erst als Keule und klebte es sich danach wieder an, es wuchs sofort an! Grausig! Gut beraten sind Abenteurer-Gruppen, wenn sie Magier mit Feuerzaubern dabeihaben. Die von ihnen verursachten Wunden heilten nicht mehr.

Und dennoch, obwohl ich nur ein normales Schwert hatte und der Troll seine Wunden sofort heilte, war er doch zu beschäftigt damit, seine verlorenen Glieder wieder einzusammeln und sich zu regenerieren, um noch viel auf die anderen Mitglieder der Gruppe einschlagen zu können. Auch ich als normaler Kämpfer kann helfen, ihn zu besiegen. Beruhigend, bei aller Beunruhigung. Ein zäher Kampf, doch Tyr stand uns bei. Bei nächster Gelegenheit werde ich ihm ein Opfer bringen. Ich darf es nicht vergessen.

Vier Untote kamen noch dazu. Zum Glück hatten wir einen Priester dabei, und als die Untoten die Flucht ergreifen wollten, nutzte ich die Gelegenheit für ein paar gezielte Hiebe. Habe ich so etwas schon öfters getan? Wenn ich mich nur erinnern könnte!

Troll und Untote waren gesteuert von einem – ja, was war er? Er schien ein paar von uns zu kennen. Zaubern konnte er auch, doch zum Glück half es ihm nichts gegen den Personen-Festhalten-Zauber aus unseren Reihen. Er wurde besiegt und bestraft. Möge er ewig brennen, auch in der nächsten Welt, denn es stellte sich heraus, dass er für die Seuche und die Toten in der Mine verantwortlich war.

Viel Gold war der Lohn für unsere Taten. Für mich zählt aber mehr, daß ich Erfahrungen gemacht habe. Im Kampf und über mich selbst.

Mein Entschluss steht jedenfalls fest. Ich werde mich wieder anheuern lassen. Nach Möglichkeit zusammen mit einem Priester und einem Kampfmagier. Und natürlich jemanden, der gute Fähigkeiten im Suchen, Entdecken und Schleichen hat. Manches wäre sonst unentdeckt geblieben, und wer weiss, vielleicht wären wir ohne diese Fähigkeiten in unser sicheres Verderben gelaufen?

Haben die Götter mir mein Gedächtnis geraubt, damit ich dieses wahrhaft lerne und begreife? Nur in der Zusammenarbeit konnten wir erfolgreich sein! Nur durch die Mischung unserer Fähigkeiten überlebten wir!

Was werde ich noch alles lernen? Ich lege mein Leben in die Hände von Tyr. Er wird mich leiten.

This entry was posted in Pen&Paper. Bookmark the permalink.

One Response to Tagebuch von Randek einem menschlichen Krieger

Leave a Reply